Architekturabend zu Dieter G. Baumewerd im Oberverwaltungsgericht Quelle: BDA/Markus Bomholt

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "A-Z Architekten" wurde das Foyer des Oberver­waltungsgerichts NRW in Münster am Dienstagabend (9. November 2022) zum Architekturhörsaal. Über 200 Zuhörer waren der Einladung des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Münster-Münsterland gefolgt, um Leben und Werk des Architekten Dieter G. Baumewerd (1932-2015) kennenzulernen. Und der Ort hätte nicht besser gewählt werden können. Denn das 1963 eröffnete Oberverwal­tungsgericht am Aegidiikirchplatz kann als Erstlingswerk des Architekten Dieter G. Baumewerd gelten. Zusammen mit seinem Vater Wilhelm Baumewerd und seinem Studienkollegen Peter Koller hatte Baumewerd den damaligen Wettbewerb 1958 ge­wonnen und mit dem Staatsneubauamt in überarbeiteter Form ausgeführt.

In der Begrüßung am Abend verwies der Vizepräsident des Oberverwaltungsgerichts Sebastian Beimesche auf diesen geglückten Neuanfang, der auch für das Gerichts­wesen in Nordrhein-Westfalen insgesamt bedeutsam war. Bis vor kurzem beher­bergte das Gerichtsgebäude auch den Verfassungsgerichtshof. Und es fügte sich, dass Baumewerd in den Jahren 2009-2011 nochmals für das Haus tätig werden konnte, in dem er eine gläserne Bibliothek in das weitgespannte Foyer hineinsetzte. Diese bildete denn auch für das Publikum ein inspirierendes Bühnenbild für die an­schließenden Beiträge: sie sahen ein Früh- und Spätwerk des Architekten gleicher­maßen vor sich.

So sprachen zunächst der Architekt Christoph Achterkamp für den BDA Münster-Münsterland, ehemaliger Mitarbeiter des Büros Baumewerd, sowie der Architekt und Journalist Stefan Rethfeld, der die Veranstaltungsreihe konzipierte, einführende Worte.

Den Hauptvortrag hielt sodann der Architekturhistoriker Prof. Frank R. Werner, der biografische Stationen, prägende Persönlichkeiten sowie die wichtigsten Bauten des Architekten Dieter G. Baumewerd dem Publikum vorstellte.

So führte der Vortrag zunächst zum Geburtsort ins ostpreußische Braunsberg, wo der Vater Wilhelm Baumewerd als Dom- und Diözesanbaumeister wirkte. Später nach Münster, wo Baumewerd zunächst eine Malerlehre sowie eine Bauzeichner-Ausbildung im väterlichen Büro absolvierte. Besonders prägend sollten seine Stu­dienjahre an der Düsseldorfer Kunstakademie 1955-1962 bei Hans Schwippert sowie Rudolf Schwarz werden, dessen Meisterschüler und studentischer Büromitarbeiter er wurde. Seine weitgesteckten Raum-Gedanken beeinflussten auch Baumewerds eigenes Werk, ebenso die Schriften des Religionsphilosophen Romano Guardini.

Mit der Heilig-Geist-Kirche (1964-66) in Emmerich gelang Baumewerd ein erster viel­beachteter Kirchenbau, der international wahrgenommen wurde. Von 1971-1996 wirkte Baumewerd als Entwurfsprofessor an der Werkkunstschule, der späteren Fachhochschule Dortmund. Nach seiner Emeritierung entstanden mit der neuen Apostolischen Nuntiatur in Berlin sowie den Botschaftsbauten in Santiago de Chile, Madrid und Paris weitere ausdrucksstarke Bauten. In Münster ist Baumewerd auch vielen bekannt, da er seinerzeit das große Sparkassenfoyer an der Ludgeristraße entwarf sowie den jüngeren Neubau der Sparkasse Münster-Münsterland an der We­seler Straße. Auch übernahm er die Sanierung von Rathaus, Stadtweinhaus und Lotharinger Kloster.

In einer abschließenden Gesprächsrunde mit Zeitzeugen, darunter Familienmitglie­dern und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wurden verschiedene Facet­ten seines Wirkens nochmals durch persönliche Erinnerungen vertieft.

Der Abend bot insgesamt einen ersten Einblick in ein großes Architektenwerk, des­sen Erforschung erst noch bevorsteht. Jetzt schon kann diese Arbeit als lohnend ver­standen werden.